7. Schloss Berge-Konzert am 15. März 2013

Impressionen des Konzertabends

Bei vielen unserer Konzertgäste, ob sie Mascha Kaléko kannten oder nicht, haben wir nach dem Konzert eine große Begeisterung über den Abend verspürt.

Judith Jakob und Joachim Jezewski haben in großer Intensität und mit viel Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt der großen Lyrikerin Gedichte und die Lieder vorgetragen, und dabei waren der Vortrag, der Gesang und die Begleitung am Flügel eine wunderbare Einheit.

Viele Texte haben die Gäste zum Schmunzeln gebracht, aber auch sehr zum Nachdenken veranlasst. Man spürte in der Stille die Aufmerksamkeit der Zuhörer. In einer Mail schrieb uns ein Lionsfreund spontan:

“Der von Mascha Kaléko getragene Abend mit glänzender Darbietung der beiden Künstler war ein ' highlight ' besonderer Art. Die Kombination von intellektueller Brillianz und emotionaler Anrührung aus der Sicht einer Emigrantin hat die Zuhörer fasziniert”

Wie bei allen unseren Konzerten haben die Lionsfreundinnen und -freunde die Gäste durch die persönliche Ansprache bestens betreut und mit Fingerfood verwöhnt. Auch nach dem Konzert sind viele Gäste geblieben, um bei guten Gesprächen über das Gehörte den Konzertabend würdig ausklingen zu lassen.

Nach dem 7. Schloss-Berge-Konzert kann der Lions Club Gelsenkirchen-Buer wieder mit 8.300.- € ein hohen Betrag dem Friedensdorf in Oberhausen zur Verfügung stellen. Der Club, der sich neben der finanziellen und tatkräftigen Unterstützung wichtiger sozialer Brennpunkte in Gelsenkirchen besonders auch der Not schwerverletzter Kinder verpflichtet fühlt, hat zusammen mit den Jahresspenden und dem Erlös dieser noch jungen Konzertreihe in Höhe von über 60.000 € dafür gesorgt, dass Kinder aus Krisengebieten der Welt eine Chance auf medizinische Behandlung in deutschen Krankenhäusern erhalten, die ihnen in den Heimatländern verwehrt geblieben wäre.

Pressestimmen

Judith C. Jakob

Judith C. Jakob studierte Gesang, Schauspiel und Tanz an der Essener Folkwang Hochschule. Nach der Ausbildung spielte sie ein Jahr in Wien in der Uraufführung von „Mozart !“ mit und wechselte anschließend für zwei Jahre ins Festengagement an das Stadttheater Heilbronn. Seit 2002 wohnt sie in Köln und ist freiberuflich als Schauspielerin und Musicaldarstellerin tätig, u.a. an den Wuppertaler Bühnen, an der Dresdner Staatsoperette, am Staatstheater Braunschweig, der Bonner Oper, dem Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, am Stadttheater Krefeld, am Prinz-Regent-Theater Bochum und am Gostner Hoftheater Nürnberg. Sie spielte unter anderem die „Desdemona“ in „Othello“, die „Julie“ in „norway today“, die „Rebecca“ in „Auf dem Land“ , die „Anne“ in „Anne Frank“ , die „Polly“ in der „Dreigroschenoper“ und die „Amba“ in der Uraufführung von Franzobels „Flugangst“. Außerdem spielte und sang sie die „Maria Magdalena“ in „Jesus Christ Superstar“, die „Bianca“ in „Kiss me Kate“, die „Bonnie“ in der Uraufführung des Musicals „Bonnie und Clyde“, die „Sally Bowles“ in „Cabaret“ und die „Eliza“ in My Fair Lady“.

In Köln spielte sie die „Doris“ in „Eule und Kätzchen“ am Theater der Keller und brachte dort 2007 zusammen mit Joachim Jezewski die musikalische Lesung „Sei klug und halte dich an Wunder“, eine Hommage an Mascha Kaléko, auf die Bühne.

Joachim M. Jezewski

Joachim M. Jezewski, geb. 1962. Studium der Schulmusik, Philosophie und Musikwissenschaft. Seit 1980 musikalischer Leiter und Schauspieler beim „Kleinen Theater Brühl“, seit 1984 ständiger Pianist des „MGV Eufonia Brühl“. 1985 Gründung und musikalische Leitung des Ensembles für Neue Musik „Antiphonae“. Als gefragter Klavierbegleiter Auftritte weltweit (u.a. Spanien, Frankreich, VR China, Namibia, Kanada) sowie bei Funk und Fernsehen. Eigene Rezitationsprojekte und Theatermusiken, Zusammenarbeit mit dem Bariton Martin Lindsay (u.a. Schuberts „Winterreise“).. Außerdem Bühnenmusiker im Theater der Keller in Köln, u.a. in „Non(n)sense“ und in dem Hildegard Knef-Stück „Für mich soll’s Rote Rosen regnen“. Jezewski ist seit 1983 Klavierdozent an der Kunst- und Musikschule der Stadt Brühl.

7. Schloss Berge-Konzert am 15. März 2013

MASCHA - ...zerreiß deine Pläne.
Sei klug und halte dich an Wunder...

Eine musikalisch gelesene Hommage an Mascha Kaléko
Von und mit Judith C. Jakob - und Joachim Jezewski am Klavier

Mascha Kaléko

Sie war das „schreibende Fräuleinwunder der 30er Jahre“. Alltagspoetin, charmant, kess, melancholisch. Man nannte sie die Schwester von Tucholsky, verglich sie mit Ringelnatz, Kästner und Heine. Ihr erstes Buch, das „Lyrische Stenogrammheft“ erschien 1933. Nicht gerade der glücklichste Moment, um als Jüdin in Deutschland das erste Buch herauszubringen. Trotzdem wurde es ein Erfolg, sofort war es ausverkauft.

Großstadtliebe

Man lernt sich irgendwo ganz flüchtig kennen
Und gibt sich irgendwann ein Rendezvous.
Ein Irgendwas, - `s ist nicht genau zunennen –
Verführt dazu, sich gar nicht mehr zu trennen.
Beim zweiten Himbeereis sagt man sich „du“.

1935 erscheint ihr zweites Buch, das „kleine Lesebuch für Große“. Sogar als ihre Bücher verboten werden, man sie aus der „Reichsschrifttumskammer“ ausschließt und sie Berufsverbot erhält, kursierten ihre Verse weiter in der Stadt – abgeschrieben mit Schreibmaschine oder von Hand und schnell vervielfältigt. Sie trifft den Ton der Zeit, pointensicher, selbstironisch und trotzdem sensibel. Schreibt Verse über alles aus dem Leben der kleinen Leute in der großen Stadt, Alltagspoesie mit Sehnsucht nach mehr. 1935 lernt sie auch ihre große Liebe kennen, Chemjo Vinaver, einen Musiker. Sie bekommt einen Sohn. Wie viele Künstler, die von den Nazis verboten wurden, die jüdischer Abstammung sind, oder die wie Max Ernst verfolgt werden, weil ihre Kunst als „entartet“ betitelt wird, muss Mascha Kaléko das Land verlassen. 1938 emigriert die kleine Familie nach New York. Das Ringen um bloßes Überleben ist hart, Mascha Kaléko muß ihrem Mann helfen, der kein Englisch spricht und sich um den Sohn kümmern. Sie kommt kaum dazu, zu schreiben. Aber auch nach dem Krieg erreicht sie nicht mehr den Bekanntheitsgrad ihrer Berliner Jahre. Sie wird immer noch geliebt, aber 1959 lehnt sie den Fontane-Preis ab, weil er ihr von einem ehemaligen SA-Mann überreicht werden würde. Damit ist es vorbei mit dem Ruhm in Deutschland. 

Heimweh, wonach?

Wenn ich Heimweh sage, sag ich „Traum“.
Denn die alte Heimat gibt es kaum.
Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:
Was uns lange drückte im Exil.
Fremde sind wir nun im Heimatort.
Nur das „Weh“, es blieb. Das „Heim“ ist fort.

Ihre Gedichte aber sind zeitlos. Die Situationen, die sie beschreibt, die Sehnsüchte der Menschen, sind allgemeingültig. Sie berühren, machen schmunzeln und lassen nachdenken.

2007 wäre sie hundert Jahre alt geworden.

Judith Jakob sagt : „Mich begleiten diese Gedichte seit Jahren, und ich finde mich immer wieder in Situationen wieder, die sie in ihren Gedichten wunderbar auf den Punkt bringt. Ich bin aber auch immer wieder überrascht und ein bisschen traurig, wenn ich feststelle, wie wenige Menschen diese Gedichte kennen. Diese Lesung ist mir also eine wirkliche Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir, dass der ein oder andere von diesen Gedichten genauso berührt wird, wie ich es immer wieder werde.“

Was man so braucht...

Man braucht nur eine Insel
Allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
den aber braucht man sehr.

Mascha Kaléko

Mascha Kaléko wird 1907 in Chrzanòw, Galizien geboren. 1914 wandert die Familie nach Deutschland aus und zieht nach dem ersten Weltkrieg nach Berlin. Ende der zwanziger Jahre findet Mascha Kaléko Anschluß im Kreis der Dichter und Literaten im „Romanischen Café“, sie trifft dort u.a. auf Tucholsky und Claire Waldoff, man vergleicht sie mit Kästner und dem jungen Heinrich Heine.

Sie ist eine Alltagspoetin, trifft den Ton der Zeit, ihre Gedichte aus dem Alltag der „kleinen Leute“, in denen sie den berliner Witz und die Trauer und Weisheit aus dem jüdischen Osten vereint, werden begeistert aufgenommen. Ihr erstes Buch, das "Lyrische Stenogrammheft“ wird für die jüdische Schriftstellerin 1933 zum Bestseller.

Nach ihrem zweiten Buch, "Das kleine Lesebuch für Große“ (1935), wird Mascha Kaléko von den Nazis verboten. Ihre Schriften finden dennoch unter der Hand weite Verbreitung. 1938 emigriert sie mit ihrem Mann Chemjo Vinaver und dem gemeinsamen Sohn nach Amerika. Es folgen schwere Jahre, in Armut und Isolation. Sie schreibt wenig.

In den 1950er Jahren legt Rowohlt ihre Gedichte erneut auf. Sie wird für den Fontane-Preis nominiert, doch sie lehnt den Preis ab, da in der Jury ein ehemaliger SA-Mann sitzt.

Aus Liebe zu ihrem Mann und seinem musikalischen Lebenswerk wandert sie nach Israel aus, wo sie stets fremd bleiben wird.

Es wird wieder still um Mascha Kaleko. Schicksalsschläge prägen ihr Leben. 1968 stirbt unerwartet der Sohn, 1973 erliegt ihr Mann einem schweren Leiden. 1974 bereist sie zum letztem Mal Europa. Sie hält eine letzte Lesung in Berlin. Mascha Kaléko stirbt 1975 in Zürich.

Informationsblatt - Wikipedia zu Mascha Kaléko